Generalstreik gegen die Nazis

Veröffentlicht am 22.05.2013 in Kreistagsfraktion
 

Kreisecke von Dr. Dieter Schmidt - 07.05.2013

Der 30. Januar 1933 markiert die unheilvolle Entwicklung vom Ende der Weimarer Republik zur Diktatur des NS-Staates. Nach 80 Jahren finden im Landkreis Tübingen zahlreiche Veranstaltungen des Gedenkens statt. Aktuell ist im Mössinger Rathaus eine Ausstellung des Stadtarchivs eröffnet worden, die „80 Jahre Mössinger Generalstreik” facettenreich präsentiert. Ziel soll es sein, die positive Erinnerungskultur zum Widerstand gegen die Gewaltherrschaft zu befördern.

Das ernsthafte Bemühen der Stadt, dieses „Fanal einer Auflehnung gegen den Nationalsozialismus in der Machtergreifungsphase” anerkennend zu würdigen, wird von einigen Mössinger Stadträten in Frage gestellt. Ihre „Interessengruppe” propagiert im Stil des Kalten Krieges, dass „das wahre Ziel der damaligen Aktion” die „revolutionäre Machtübernahme” im Dorf durch die Kommunisten gewesen sei.

Der Historiker Prof. Ewald Frie kommt auf der Gedenkveranstaltung der Stadt zu anderen, wissenschaftlich begründeten Ergebnissen: Die Mössinger haben am 31. Januar 1933 versucht, „ein Zeichen gegen die Machtergreifung zu setzen”, und „sie haben dafür bezahlt”. Das verdient Anerkennung, und auf das Zeichen, das hier gesetzt wurde, können die Mössinger(-innen) stolz sein. „Der Mössinger Generalstreik sollte einen festen Ort in der politischen Bildung des Landes Baden-Württemberg bekommen.”

Forschung und Diskussion über den Generalstreik gehen weiter. Wir unterstützen deshalb den Vorschlag von Oberbürgermeister Michael Bulander, in Mössingen für die faire, sachliche Arbeit an diesem Thema einen adäquaten Ort der Erinnerung und Begegnung zu schaffen, an dem in einer Dauerausstellung die Streikaktion, ihre Voraussetzungen und die Folgen dargestellt werden. Bei der wünschenswerten Förderung dieses Projekts durch den Kreis könnte Kreisarchivar Dr. Wolfgang Sannwald seine besonderen Erfahrungen in der Ge­denk­stät­ten­ar­beit kompetent einsetzen.

Das von ihm erfolgreich entwickelte und von unserer Kreistagsfraktion seit Jahren unterstützte Modell der qualifizierten Jugendguides ließe sich auf einen Gedenkort in Mössingen ausweiten, an dem die Entwicklung von Zivilcourage im Widerstand das Thema sein könnte. Gespannt erwarten wir nun das Spiel des Theaters Lindenhof von einem „Dorf im Widerstand”. Der Kreistag hat durch den einmütigen Beschluss, diese Bühne bei ihrer Inszenierung mit 10 000 Euro zu unterstützen, seine kulturpolitische Weitsicht bewiesen.

 

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